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Ein früherer Guerrillero, der zum Präsidenten Uruguays gewählt wird, der in einer kleinen Finca statt im Regierungspalast wohnt, VW-Käfer fährt und den größten Teil seines Gehalts spendet, der mit Witz, Verstand und Leidenschaft seinen Ideen treu geblieben ist – gibt es das?

Pepe Mujica ist als „der ärmste Präsident der Welt“ ein Begriff geworden. Der ehemalige Guerrillero gilt als eine der charismatischsten politischen Persönlichkeiten Lateinamerikas. Sein bescheidener Lebensstil und sein unkonventionelles Auftreten im politischen Protokoll machen ihn glaubhaft für jung und alt – nicht nur, weil er fast 90% seines Präsidentengehalts an soziale Projekte und NGOs spendet. Seine politischen Visionen erregen weltweites Aufsehen, zuletzt die spektakuläre Regulierung des Marihuanamarktes im Kampf gegen die Drogenmafia.

»Ich lebe weiter hier wie bisher, mehr oder weniger. Das alles hat mich ein bisschen verändert, aber im Wesentlichen bin ich der Gleiche geblieben. Mein Leben ist ein bisschen komplizierter geworden, aber gut. das geht auch wieder vorbei, wie alles.« (Pepe Mujica)

Die Biografie Pepe Mujicas ist abenteuerlich: Gründungsmitglied der Stadtguerilla „Movimiento de Liberación Nacional – Tupamaros“, Verhaftung, 14 Jahre in den berüchtigten Foltergefängnissen der Militärdiktatur, bis er und seine spätere Frau Lucía Topolansky 1985 nach der Rückkehr Uruguays zur Demokratie amnestiert werden. Auf einer kleinen Finca in der Nähe Montevideos bauen sie Blumen an, ihr politisches Engagement setzen sie als Parlamentsabgeordnete für die aus den Tupamaros hervorgegangene Partei Movimiento de Participación Popular fort. Von 2005 bis 2008 ist Pepe Mujica Landwirtschaftsminister, 2009 wird er als Kandidat des Parteienbündnisses Frente Amplio zum Präsidenten Uruguays gewählt. Lucía Topolansky, in der von der Verfassung vorgesehenen Funktion als Senatorin mit den meisten Wählerstimmen, nimmt ihm den Eid ab.

»Die Gesetze beißen nicht. Es sind die Menschen, die beißen. Aristoteles hat gesagt, sinngemäß: „Wenn die Menschen Gesetze beschließen, sind die Götter da. Wenn sie sie einhalten sollen, sind die Götter verschwunden.“ Es gibt Dinge, die weiß man erst, wenn man sie erlebt hat. Es gibt keine Lehrgänge für Präsidenten.« (Pepe Mujica)

Die Filmemacherin Heidi Specogna und der Kameramann Rainer Hoffmann haben Pepe Mujica und Lucía Topolansky über viele Jahre immer wieder besucht und ihr bewegtes Leben mit der Kamera begleitet. 1996 entstand ihr Film „Tupamaros“, der sich auf die Zeit in der Guerilla, die Gefängnisjahre und die Rückkehr ins Leben konzentriert. Ihr neuer Film „Pepe Mujica – Der Präsident“ ist das bewegende, Mut machende Porträt eines außergewöhnlichen Menschen, der sich mit seinen fast 80 Jahren seinen Lebensmut, seinen Witz, seine Menschlichkeit und die handfeste Hoffnung auf Veränderung bewahrt hat. Mit seinem ganzen Leben, seiner Haltung und seinen Visionen zeigt er vor allem eines: Dass es auch anders geht.